Krankhafter Haarausfall – was tun?

Oktober 11, 2017  |  Kaputte Haare

Dass alle Zellen im Organismus sich regelmäßig auswechseln, ist den meisten Menschen bekannt. Auch die Haare fallen aus diesem Grund gelegentlich aus. Das ist allerdings kein Anlass zur Sorge – auch nicht, dass das Haar mit zunehmendem Alter schütterer wird. Haarausfall muss nicht immer ein Anlass zur Besorgnis sein.

Ist der Haarverlust hingegen erwiesenermaßen krankhaft, sollten die Betroffenen etwas unternehmen. Am besten gehen sie bei unerwartet massivem Haarausfall zum Dermatologen. Zahlreiche Ursachen können ein Anlass für den plötzlichen Haarausfall sein – von hormonellen Gegebenheiten bis zum Dauerstress, von ernsten Erkrankungen bis hin zu seelischen Ursachen oder einem Mangel an Testosteron.

Bei einer Alopezie beginnt die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Das kann lange dauern. Es scheint unzumutbar, die Betroffenen in dieser Zeit einen monatelangen Kahlschlag auf dem Kopf erleben zu lassen.

© pixabay.com

© pixabay.com

Die Ursachenermittlung – ein schwieriger Fall

Für den Dermatologen ist es zunächst wichtig, dass Sie ihm Ihre Beobachtungen der letzten Monate akkurat schildern. Haben Sie etwas an Ihrer Ernährung gravierend verändert? Haben Sie beispielsweise arsenhaltiges Mineralwasser oder Schweinefleisch in größeren Mengen zu sich genommen? Standen Sie unter enormem Stress? Hat der Frauenarzt bereits einen Hormonstatus erhoben? Haben Sie kürzlich eine Chemotherapie absolviert oder leiden Sie vielleicht aus seelischen Gründen unter einer Alopecia areata – dem kreisrunden Haarausfall?

Viele Fragen verlangen bei Haarausfall nach einer Antwort. Vielleicht ist der Haarausfall aber auch erblich bedingt oder altersgerecht. Wie dem auch immer sei: Wenn der krankhafte Haarausfall Ihnen zunehmend das Selbstwertgefühl raubt, ist Handeln angesagt. Eine Perücke oder eine andere Überbrückung des kahl werdenden Kopfes muss her.

Welche Möglichkeiten haben Menschen bei krankhaftem Haarausfall?

Bevor Sie durch den Haarausfall in tiefe Verzweiflung stürzen, kann ein Perückenkauf Sie wieder aufrichten. Sie haben die Wahl zwischen einer Synthetikperücke, Kunsthaar oder einer Echthaarperücke. Vielleicht genügt auch ein Haarteil oder Toupet. Mehr Informationen zum Thema Haarausfall und der Wahl einer Perücke (insbesondere inwiefern die Krankenkasse Sie bei der Anschaffung unterstützt) finden Sie hier.

Doch es gibt auch andere Möglichkeiten, die wir kurz diskutieren sollten. Ihre Wahl könnte auch sein, es zunächst mit beliebig vielen Haarwuchsmitteln, Vitamin-Präparaten und Tinkturen zu versuchen, dem krankhaften Haarausfall entgegenzutreten. Manche Haarwuchsmittel sind hormonell. Sie versprechen durchschlagende Erfolge, aber meist erst nach einem, zwei oder drei Monaten.

Manche Haarwuchsmittel halten die Versprechen zum Teil auch – aber sie haben Nebenwirkungen. Außerdem ist der Erfolg von der ständigen Benutzung des Haarwuchsmittels abhängig. Das geht ins Geld und muss meist aus eigener Tasche finanziert werden. Allerdings gilt: abgestorbene Haarwurzeln werden davon nicht wieder lebendig.

Die unschlagbaren Vorteile einer Perücke

Im Vergleich zu den eben beschriebenen Maßnahmen hat eine Perücke bei seelischen Problemen, die durch den krankhaften Haarausfall verursacht werden, einen Vorteil: Die Krankenkassen bezahlen eine Synthetikperücke bei gegebener Indikation. Zumindest finanzieren sie die neue Haarpracht in unterschiedlichem Umfang mit. Das ist allerdings nicht der Fall, wenn Sie sich für eine teure Echthaarperücke entscheiden.

Die Kassen zahlen immer nur die einfachste Versorgung. Immerhin ist alle ein bis zwei Jahre eine neue Verordnung für eine Synthetikperücke fällig. Die Echthaarperücke hält bei optimaler Pflege bis zu zwei Jahren – aber sie ist auch ungleich teurer und aufwendiger in der Pflege. Abhängig ist die Lebensdauer einer Perücke naturgemäß von der Tragedauer und -häufigkeit. Auch die Qualität der Perücke spielt eine Rolle.

Das Toupet hält erfahrungsgemäß maximal ein halbes Jahr. Hier kommt es darauf an, wie es gearbeitet wurde, wie gut es gepflegt wird und ob es ein dünnes Filamentgewebe mit Filmansatz nutzt oder nicht.

Die teuerste Option: eine Haartransplantation

Haartransplantationen sind nicht harmlos. Sie verursachen erhebliche Schmerzen. Es kann keine Gewährleistung dafür geben, wie lange die transplantierten Haare auf dem Kopf verbleiben – vor allem, wenn die Ursache des krankhaften Haarausfalls nicht feststeht. Zudem müssen die verpflanzten Haare an anderer Stelle entnommen werden. Kosten von etwa vier Euro je verpflanztem Follikel klingen nicht nach viel Geld.

Doch wenn Sie diese Summe mit der Zahl der Haarfollikel multiplizieren, die am Ende tatsächlich verpflanzt wurden, sieht die Gesamtsumme schon anders aus. Nehmen wir an, Sie benötigen vorerst nur am nur kahler werdenden Scheitelbereich neue Haare. Das allein kann bereits die Verpflanzung von 1.600 Follikeln zu je vier Euro Durchschnittspreis erfordern. Damit liegt die Summe der dafür notwendigen Follikel bereits bei 6.400 Euro – und dies für eine vergleichsweise kleine Fläche.

Die Kosten für eine Haartransplantation sind natürlich abhängig von der Größe der kahlen Fläche. Je größer diese ausfällt, desto weniger rechnet sich eine Transplantation. Da die enorme Summe dafür fast immer selbst finanziert werden muss, benötigt der Betroffene schon eine ganze Menge Kapital. Dagegen wirkt die Echthaarperücke, die im Gegensatz zur Transplantation garantiert eine schmerzlose und gutaussehende Erfolgsmethode ist, deutlich preiswerter.

Selbst Sänger Elton John hat nach seiner Haartransplantation nun den Griff zur Perücke getan. Der Erfolg der Transplantation war offensichtlich nicht von Dauer. Für den Preis einer Transplantation können Sie bei krankhafter Alopezie glatt vier bis sechs Perücken aus Echthaar erstehen.

Synthetikperücken werden Ihnen sogar verschrieben. Sie werden teilweise oder ganz von der Krankenkasse finanziert. Außerdem können Echthaarperücken beliebig frisiert, in Locken gelegt, zugeschnitten oder eingefärbt werden. So lösen sich alle Haarprobleme in Wohlgefallen auf.

Krankhafter Haarausfall ist kein Schicksalsschlag

Auch wenn ein plötzlicher Haarverlust sich für den Betroffenen sehr dramatisch anfühlen kann und gefühlt durchaus als Schicksalsschlag wahrgenommen werden kann, ist noch nicht aller Tage Abend. Es gibt einen kleinen Trost. Bei kreisrundem Haarausfall und nach einer Chemotherapie ist die Perücke nur eine vorübergehende Notwendigkeit. Mit aller Wahrscheinlichkeit wachsen die eigenen Haare – bis auf wenige Ausnahmen – wieder nach.

Der Haarverlust ist meist nicht dauerhaft. Die nachwachsenden Haare können allerdings grau und stumpf sein oder dünner ausfallen als bisher. Nach einer Chemo wird sich der Haarneuwuchs erst einige Zeit regenerieren müssen. Erst dann kann der Betroffene beurteilen, ob er sein altes Äußeres wiedererlangt. Im Regelfall sagen einem die Ärzte, ob die verabreichten Zytostatika geeignet sind, Haarausfall zu erzeugen.

So erfährt der Patient auch, ob der Kahlkopf voraussichtlich vorübergehend ist oder dauerhaft bleiben kann. Die Haarwruzeln sind regenerationsfähig. Bei Menschen, denen ein kreisrunder Ausfall des Haares seelisch zusetzt, ist es ähnlich. Das Haar wächst nach einer Weile zunächst meist weißlich wieder nach. Die Haarwurzeln sind noch nicht wieder voll funktionstüchtig. Die Haarprobleme fallen anderen daher weiterhin auf.

Die weißen Flecken im Haar geben sich erst wieder, wenn die Ernährungslage verbessert wird. Oft sind nämlich Nährstoffmängel oder Ernährungsfehler die Ursache von kreisrundem Haarausfall. Wenn der auslösende Faktor ermittelt wurde, kann auch kreisrunder Haarausfall sich nach und nach verabschieden. Kann der Entstehungsgrund der Alopezie nicht ermittelt werden, muss sich das Haar von selbst regenerieren.

Früher oder später ist das meist der Fall. Der Haarneuwuchs hat sich dem restlichen Haar angepasst. Niemand sieht mehr, dass der Betroffene einmal unter krankhaftem Haarausfall gelitten hat. Falls eine Perücke diese Zeit überbrückt hat, kann sie nun eingemottet werden. Der Schweregrad einer Alopecia areata entscheidet, ob eine Perücke verordnet werden kann oder nicht.

Krankhafte Haarprobleme belasten die Psyche

Eine Perücke ist bei krankhaften Haarproblemen nicht nur eine psychologische Unterstützung. Sie ist auch modisch ein Hingucker. Moderne Perücken müssen sich nicht mehr verstecken. Egal, ob die Haarprobleme erblich sind, hormonell oder psychisch verursacht wurden, belasten sie bei den meisten Menschen die Seele. Vor allem für Frauen ist ein zunehmend kahler Kopf sehr belastend.

Das ist auch der Grund, warum eine medizinische Perückenverordnung hier weitaus häufiger erfolgt. Bei Männern ist der Verlust der Haare eher zu erwarten. Er geschieht allerdings heutzutage immer früher. Die Ursache dafür kennt man noch nicht – aber sie liegt möglicherweise in einem hohen, hormonell belasteten Fleischkonsum oder anderen ernährungsbedingten Umständen wie beispielsweise bestimmten Nährstoffmängeln. Haarwuchsmittel werden bei Männern wie Frauen häufig gegen den drohenden Verlust der eigenen Haare eingesetzt.

Bei Männern kann das Testosteron eine Rolle spielen, bei Frauen das Östrogen. In vielen Fällen scheint der Haarausfall hormonell bedingt zu sein. Es kann daher angezeigt sein, bei ausfallenden Haaren den Hormonstatus erheben zu lassen. Auch eventuelle Nebenwirkungen bestimmter Medikamente sollten abgeklärt werden. Doch vor allem anderen sollten die Betroffenen seelisch wiederaufgerichtet werden – zum Beispiel durch eine Perücke.

Volles Haar macht jung. Die meisten Menschen wirken damit gesünder, dynamischer und leistungsfähiger. Das kann sich auch auf eine Karriere positiv auswirken. Die Erfahrung lehrt, dass im mittleren und höheren Management gerne dynamisch wirkende Menschen eingestellt werden, die volles Haar vorweisen können.

Haarprobleme werden allzu gerne umgedeutet. Sie werden von den Kollegen in Richtung auf eine nachlassende Gesundheit und Leistungsfähigkeit fehlinterpretiert. Die behandelnden Dermatologen sollten gegebenenfalls mit diesem Aspekt konfrontiert werden.

Perücke auf Rezept: einmalig oder Jahr für Jahr?

Die Verordnung einer Perücke oder eines Toupets wird unterschiedlich gehandhabt. Frauen wird aus den bereits genannten Gründen weitaus öfter eine Perücke verordnet als Männern. Die Perücke auf Rezept ist für eine Frau, deren Glatze der Mitwelt stärker auffällt, wichtiger. Auf eine ärztliche Verordnung hin bezahlen die Krankenkassen zumindest einen Teil, wenn nicht die ganze Perücke.

Es spielt für die Verordnung keine Rolle, ob die Haare dauerhaft oder nur vorübergehend ausgefallen sind. Vielmehr verordnen Onkologen, Dermatologen oder der Hausarzt auf Wunsch eine Perücke, wenn der Patient unter dem Haarausfall leidet. Ob der Haarverlust krankhaft ist, medikamentösen Nebenwirkungen entspringt oder einer Chemotherapie geschuldet ist, wird nicht unterschieden.

Bei dauerhaft bestehenbleibendem Haarausfall – beispielsweise bei androgenetischer oder anlagebedingter Alopezie – kann die Perückenverordnung auch jährlich erfolgen. Je nach Krankenkasse und zugrundeliegender Problematik fallen die Zuzahlungen der Kassen unterschiedlich hoch aus.

Männer erleben hier keine Gleichbehandlung

Männern hingegen ist eine Halbglatze oder ein Kahlkopf zuzumuten, auch wenn dieser krankhaft oder genetisch bedingt ist. Daher reagieren die Kassen hier abweisender auf eine Verordnung. Nur: Eine Einzelfallprüfung darf der Betroffene immer verlangen. Denn im besonderen Fall kann eben auch ein Mann mit ehemals vollem Haar durch einen plötzlichen Verlust seiner Haarpracht seelische Probleme bekommen.

Testosteron oder Männlichkeit hin oder her: Männer sind auch nicht grundsätzlich schmerzfrei gegenüber solchen Erlebnissen. Wenn also die Glatze bei dem Betroffenen zu einer schweren Depression führt, hat er gute Chancen auf eine Erstattung der Krankenkasse. Die Depression muss allerdings ärztlicherseits attestiert werden. Auch Männer haben unter bestimmten Umständen ein Anrecht auf ein Toupet oder Zweithaar.

Während prominente Perücken- oder Toupet-Träger es sich leisten können, alle Kosten dafür selbst zu tragen, kann Otto Normalverbraucher dies eben nicht immer. Ohne funktionierende Haarfollikel fühlt sich mancher Mann nackt und schutzlos. Auch beruflich oder beim anderen Geschlecht kann das fehlende Haar ungeahnte Folgen zeitigen, vor allem bei jüngeren Männern. Auch deswegen sollte es eine prinzipielle Gleichbehandlung geben.


Leave a Reply